SchorschBlog: Melancholie des Alltags

10.9.07

Melancholie des Alltags

Da versucht man doch einfach der heimischen Einsamkeit von auf Sonntag verschobener Arbeit, Formel 1 Rennen und selber Kochen zu entfliehen und fährt ins Restaurant seiner Wahl in die geliebte Heimatstadt, die eigentlich gar nicht die Heimatstadt ist.

Und dann kommt man als leidender Entfernungs-Single doch an - in einem Restaurant voller nicht Singles, Halbwüchsige noch, die trotzdem wild knutschend in den Ecken sitzen oder gestandenen Paaren, die sich gemeinsam den gegrillten Schafskäse und einen großen Salat schmecken lassen, dabei aufeinander wartend, den ersten Bissen gemeinsam zu geniessen.

Schade eigentlich, dass so etwas momentan nicht mehr bei einem selbst drin ist und man die Pizza dann zwar mit extra Käse aber doch alleine öde ins Leere starrend geniessen darf. Wenigstens gibt es einen Ouzo für umsonst dazu.

Die Frage, die sich stellt ist dann: "Warum gibt es eigentlich keine Restaurants, in denen man nicht durch das Drumherum an bessere Zeiten erinnert wird. Wo kann man dem von rücksichtlosen Paaren inszinierten Passivlieben entfliehen. Wo gibt es Plätze, an denen man nicht in jeder der bei mir zumindest ca. 48 Blickrichtungen in amorverzückte Gesichter blickt und sich quasi beim Beobachten des Austausches körperlicher Nähe entdeckt. Wo ist die "You don't have to be afraid of love"-Kneipe. Wäre das nicht eine entscheidende Geschäftsidee, um Menschen, die jetzt gerade nichts von zwischenmenschlichen Beziehungen wissen wollen oder können, eine kulinarische Heimat zu geben.

Ich denke, hier würde sich eine Marktlücke auftun, die nicht nur in jeder größeren Stadt wie dem bekannten baiuvarischen Moloch - der Singlehauptstadt Deutschlands - sondern auch in kleineren Ansammlungen menschlicher Zusammenrottung funktionieren würde. Nun bin ich weder Kneipenbesitzer, noch allzu begnadeter Gesellschaftsstatistiker. wenn sich jedoch Interessenten finden, würde ich mich aus Überzeugung gerne an einem solchen "Feel free 2 be alone"-Lokal beteiligen. Auch nur aus Spaß am Experiment. Ob wir dadurch allerdings die Menschheit vor der Selbstzerstörung und das deutsche Volk vor dem ChildOut retten können, bleibt fraglich.


Kommentare:

Gurke hat gesagt…

Georg die Midlife Crisis kommt aber scho weng früh. lass den Kopf net hängen. Wie sagsch immer beim benokeln: Ein gutes Spiel fängt im Keller an. Und zu einem Hoch, braucht es zuerst mal ein Tief

Anonym hat gesagt…

Schöner Text,
aber wahrscheinlich warst du nur am falschen Ort zur falschen Zeit.

Oder du hättest eben einfach, jenes holde weibliches Wesen was dort am selben Tage in der Straße nebendran seiner Wegen ging spontan einladen müssen. Aber so ist das Leben halt...."voller verpasster Gelegenheiten".

Gruß

Tungi