SchorschBlog: Prof. Dr. Dueck - … eigentlich über Dynamic Infrastructure

11.5.10

Prof. Dr. Dueck - … eigentlich über Dynamic Infrastructure

Ein bissel spät aber immerhin, jetzt noch die Zusammenfassung des Vortrags von Prof. Dr. Gunter Dueck bei uns im Haus.
Auch nach 2 Wochen ist mir dieser Vortrag noch sehr im Hirn. Hat sich dort irgendwie eingebrannt und ich kann nur jedem empfehlen, wenn er mal die Chance hat, Herrn Dueck irgendwo reden zu hören, dann nix wie hin!

Er begann damit, dass es eigentlich 2 große Dummheiten in unserer Zeit gibt. "Aus A folgt B, also MUSS aus B auch A folgen" und "der mächtigere Dumme hat immer Recht". Mit wunderschönen Beipielen untermauerte Herr Dueck diese Thesen und ging damit über zur "what-if-Software". Hierbei sind diese 2 Dummheiten sogar in einem Softwareprozess automatisiert. So geben Management-Informationssysteme beispielsweise darüber Auskunft, wie viele Menschen wie viel mehr arbeiten müssten oder welche Mennschen man outsourcen müsste (Raiffeissen hat dies ja damals erfunden), damit ein höherer Gewinn entsteht und somit die Menschen glücklicher werden. Weil ja allgemein bekannt ist, dass bei einem hohen Gewinn die Mitarbeiter zufriedener sind ;-)

Dueck zeichnet die Vision von RFID und Verkehrsschildern. Warum können nicht alle Verkehrsschilder einen Chip haben, der den Autos sagt, wie schnell sie fahren dürfen?

Über Ausflüge in die Welt der Infrastruktur landet Dueck bei der Ökonomie. Heutzutage geht keiner mehr irgendwohin. Sein Sohn war noch nie in einer Bank. Dies sollte uns zu denken geben. Hier kann der Hebel von Social Media ansetzen. Diese Kunden können wir gewinnen.
Außerdem verändet sich das Benutzerverhalten. Menschen kaufen nur bei sozialen Kopien von sich selbst (kein Hartz IV-Empfänger kauft etwas bei jemandem mit einer S-Klasse). Hier scheinen wir aber durch unseren breit gestreuten Außendienst sehr gut aufgestellt zu sein. Dennoch gibt Dueck die Vision, in einem bestimmten Umkreis alle Vertretungsgebiete abzuschaffen und dafür für jede soziale Zielgruppe EINEN Vertreter einzusetzen. Und dieser bedient nur seine soziale Zielgruppe. In diesem Bereich hätte nach Dueck jeder Vertreter Vollbeschäftigung, egal, wie groß sein Gebiet ist.

Zwischendurch mal wieder ein Tipp für die Kundenbindung. Irgendwie scheinen Tankstellen es bei den Kunden geschafft zu haben, dass die Kunden immer und immer wieder auf die Preistafeln schauen. Wobei dieser Blick völlig sinnlos ist, weil wenn der Tank leer ist, MUSS getankt werden, egal was auf der Tafel steht. Außerdem ist der Preis nicht beeinflussbar und die Preisunterschiede sind nur marginal. Warum schauen dann also trotzdem alle Kunden auf diese Tafeln?
Wenn ein Unternehmen es schafft, diesen Benzintafel-Effekt für seine Homepage zu erreichen, dann hat es das Unternehmen in puncto Userzahlen geschafft. Die Frage ist nun, wie man einen solchen Effekt für z.B. die Homepage oder das Corporate Blog erziehlen könnte (Punktesystem für Kundenbindung, Tagespreise für Online-Verträge, …).

Weiter zum Unternehmen an sich. Dueck zeigt auf, dass Leistung in Unternehmen nicht skaliert. Man kann nicht einfach ein Windrad immer größer Bauen um mehr Strom zu erhalten. Wenn man die Höhe eines Windrades verdoppelt, ändert sich Strömungstechnisch so viel, dass das komplette Rad neu berechnet werden muss. Ähnlich verhält es sich in Unternehmen mit Aufgaben und Leistungen, nur scheint es dort niemand wahrhaben zu wollen, so Dueck.
Hier kommt Dueck nun zur Warteschlagen-Theorie und der idealen Auslastung eines Mitarbeiter, welche bei ca. 85% liegt. (Warteschlage ist gleich Auslastung durch 1 minus Auslastung). Nach dieser Theorie werden Menschen, die zu hoch ausgelastet sind, bestimmt Probleme nie bearbeiten können, weil es immer noch wichtigere Themen gibt, welche auf den Schreibtisch kommen. Ein Arzt würde z.B. immer die Patienten behandeln, die gerade am nähesten an der Grenze zum Jenseits stehen. Ein "einfacher abgerissener Finger" würde es niemals in den Behandlungsraum schaffen.
Ähnliches gilt für die tägliche Arbeit. Wenn Mitarbeiter zu hoch ausgelastet sind, werden sie sich nur um Dinge kümmern können, die superschnell und super wichtig sind. "Normale" Arbeiten bleiben liegen. Folge ist, ein überlasteter Chef hat für seine Angestellten also "nie Zeit", hat immer "andere Dinge" zu tun und hat aus seiner Sicht betrachtet "nur Probleme".
Soweit sogut. Das Problem in vielen Unternehmen ist jetzt aber, dass Manager und Vorgesetzte es oft nicht ertragen können, wenn Mitarbeiter "nur" 85% ausgelastet sind. "Dann sitzt mir der Mann ja 15% seiner Zeit nur rum". Hierüber sollten wir auf jeden Fall auch nachdenken.
Dueck stellt in diesem Zusammenhang dann noch die entscheidende Frage: "Welche Auslastung sollte eine Feuerwehr haben?"

Am Schluß portiert dann Dueck die zuvor gestellten Thesen auf die IT. Für die oben beschriebenen Probleme gibt es durchaus IT-Lösungen wie CloudComputing und dynamische Infrastruktur. "Wir befinden uns momentan im Mindset der 80er Jahre Autoindurstrie" so Dueck. Und da müssen wir raus. Und dass alles nicht automatisch funktioniert, heißt noch lange nicht, dass die neuen Techniken und Paradigmen schlecht sind. Hier bringt Dueck das Beispiel der Waschmaschine seiner Mutter, welche zunächst als unbrauchbar galt, nur weil es dafür noch kein geeignetes Wäschesystem gab. Heutzutage (mit genormter Wäsche auf 30, 60 und 90°C) will aber niemand dieses Wunderwerk der Technik mehr missen. Und so müssen sich neben der Technik auch die Rahmenbedingungen in Unternehmen an die neue Zeit und die neuen Probleme zunächst anpassen. Auch wenn momentan noch nicht alles funktioniert wie gewünscht, werden wir in einigen Jahren die neuen Techniken nicht mehr missen wollen.

Der Vortrag endete in begeistertem Applaus und im nachfolgenden Come-Together (so nennt man das wohl heute) war noch Zeit für einiges an interessanten Diskussionen auch mit Prof. Dr. Dueck, der an diesem Abend wirklich bleibende Eindrücke hinterlassen konnte.

Jeden, den ich jetzt mit der Zusammenfassung für Herrn Dueck interessieren konnte, sollte vielleicht mal bei Sinnraum - der Homepage von Prof. Dr. Dueck - vorbeischauen.

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